Das Budapest Europe Experience Center – entworfen und gebaut von DVM

Das Budapest Europe Experience Center hat im Szervita-Platz-Gebäude seine Pforten geöffnet und hat sich zum Ziel gesetzt, die Funktionsweise der Institutionen der Europäischen Union durch ein interaktives Erlebnis für Menschen jeden Alters erlebbar und zugänglich zu machen.

Die architektonische Planung und der Bau des Gebäudes wurden von DVM durchgeführt. Das Unternehmen transformierte das bestehende Gebäude, indem es zwei zuvor getrennte Etagen zu einem zusammenhängenden Besucherbereich integrierte, der durch einen neuen Aufzug und ein einzigartiges Treppenhaus verbunden ist. Bei der Umsetzung kamen modernste Technologien zum Einsatz, die nicht nur das Besuchererlebnis verbessern, sondern auch einen langfristig nachhaltigen Betrieb gewährleisten.

Eine europäische Initiative

Das Europäische Parlament und die Europäische Kommission errichten in den wichtigsten Hauptstädten der EU Erlebniszentren, um die Funktionsweise der Union anhand modernster interaktiver Stationen und Tools zu veranschaulichen. Budapest ist die siebzehnte Stadt, die einen solchen Besucher- und Veranstaltungsort beherbergt.

„Die größte Herausforderung bestand darin, die strengen Sicherheits- und Barrierefreiheitsstandards der EU in die Räumlichkeiten zu integrieren und gleichzeitig eine einladende und inspirierende Atmosphäre für Besucher zu schaffen. Wir sind besonders stolz darauf, dass wir die höchsten internationalen Standards erfüllt und dazu beigetragen haben, dass Budapest ein Standort für diesen bedeutenden europäischen institutionellen Raum geworden ist“, sagte Orsolya Nagy, leitende Architektin bei DVM und verantwortlich für das Design.

Planung und Umsetzung

Das Projekt folgte dem bewährten Design-&-Build-Ansatz von DVM, d. h. alle Phasen – von der Konzeption bis zur Fertigstellung – wurden unter einem Dach abgewickelt. Die Ausstellungsfläche wurde ursprünglich vom deutschen Architekturbüro Atelier Brückner entworfen. Auf dieser Grundlage erstellte das DVM-Team die Baupläne und realisierte das 825 m² große Erlebniszentrum.

Der Ausstellungsort präsentiert die Funktionsweise und die Werte der Europäischen Union in drei Themenbereichen. Auf zwei Etagen können Besucher die EU und ihre Mitgliedstaaten mithilfe interaktiver Multimedia-Tools wie Touchscreen-Panels, animierten Infografiken, thematischen Videos und digitalen Karten erkunden.

Hauptüberschrift & Einleitung

Das Herzstück des Zentrums bildet ein 360-Grad-Kino mit 37 Sitzplätzen und einem Durchmesser von 12.5 Metern. Panoramaprojektionen lassen die Besucher in die Herausforderungen und gemeinsamen Themen eintauchen, die das Leben in der gesamten EU prägen. In der 280 m² großen Rollenspielzone können Besucher in die Rolle von Mitgliedern des Europäischen Parlaments schlüpfen, Gruppen bilden und reale Entscheidungsprozesse simulieren. Nebenräume wie Toiletten, Serverräume, Sicherheits- und Personalräume sowie Lagerräume gewährleisten sowohl den Komfort der Besucher als auch einen reibungslosen Ablauf.

Technische Herausforderungen und Innovationen

Der Umbau des Gebäudes stellte hohe technische und organisatorische Herausforderungen dar. Da Erdgeschoss und Untergeschoss zuvor nicht miteinander verbunden waren, waren der Einbau des neuen Aufzugs und der geschwungenen Treppe Schlüsselelemente des Projekts.

Die Integration dieser Bauteile in die bestehende Stahlbetonkonstruktion erforderte akribische Planung und Ausführung. Die Realisierung der geschwungenen Treppe wurde durch die von Gábor Kászonyi patentierte, in Ungarn entwickelte Gipsbetontechnologie ermöglicht, die außergewöhnliche Dünne mit hoher Festigkeit vereint. Diese Lösung zeugt nicht nur von ingenieurtechnischer Präzision, sondern auch von skulpturaler Ästhetik.

Eine zentrale Herausforderung im Designprozess bestand darin, komplexe technische Systeme, Steuereinheiten, Verkabelung, Beleuchtungskörper und Sensoren so zu integrieren, dass sie nahezu unsichtbar bleiben. Ziel war es, das immersive Erlebnis durch nichts zu stören und gleichzeitig eine einwandfreie technische Funktion im Hintergrund zu gewährleisten.

Die Lichtgestaltung spielt eine zentrale Rolle: Deckeneinbauleuchten und Lichtlinien entlang der Schattenfugen werten die Ausstellung nicht nur auf, sondern erzeugen auch eine neuartige Raumwahrnehmung. Dynamisch programmierte Lichtszenen leiten die Besucher dezent durch die Ausstellungsbereiche.

Eine weitere Herausforderung bestand darin, akustischen Komfort zu gewährleisten – Außengeräusche abzuschirmen und den Klang im Innenraum zu optimieren. Dies wurde durch schallgedämmte Türen und Fenster sowie spezielle Akustikwandverkleidungen erreicht. Das markanteste Element des Zentrums, das 360-Grad-Kino, verfügt über eine maßgefertigte, gebogene, perforierte Metallwand und ein speziell entwickeltes Beleuchtungssystem.

Komplexe Standortbedingungen

Das Team stand vor weiteren Schwierigkeiten, da sich im Erdgeschoss des Gebäudes Restaurants, Labore und Geschäfte befanden, während in den oberen Stockwerken Büros und Wohnungen untergebracht waren. Daher konnten die lärmintensiven Bauarbeiten nur wenige Stunden am Tag und nach einem strengen Zeitplan durchgeführt werden.

Für den teilweisen Abriss und die Verstärkung der bestehenden monolithischen Betonplatten waren Stahlträger und -stützen sowie Laminate und Platten aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) um die neuen Öffnungen herum erforderlich. Die neuen Strukturen betonen Transparenz und Leichtigkeit, die durch die Verwendung von modernem Stahl und Glas erzielt werden und mit dem Sichtbeton des ursprünglichen Gebäudes harmonieren.

Darüber hinaus musste das Bauvorhaben den strengen Sicherheitsbestimmungen des Europäischen Parlaments entsprechen, die die Installation von explosionsgeschützte und kugelsichere Konstruktionen sowie Zugangskontrollsysteme im Schleusenstil.

Fotografie: Zsolt Hlinka